Ziehen Sie bald um?

Womöglich mit Kindern? Oder haben Sie sonst ein Interesse, sich klar zu machen, welches Bundesland welche Schulformen und Schulreformen kennt, wie lange Kinder gemeinsam lernen und dann, auf welcher Grundlage, auf welche Schule sortiert werden? Eine animierte Infografik klärt auf. Initiiert wurde dieser eindrucksvoll gestaltete Politikatlas von Maximilian Steinbeis, der damit ein erstes Projekt seines Ansatzes vorstellt, politische Kontroversen zu kartografieren. Pierre La Baume, Marc Tiedemann und Karen Hentschel sind für Grafik und Konzeption zuständig; Christoph Steinlehner für die Programmierung.
Mit der Reform des mehrgliedrigen Schulsystems der Bundesrepublik Deutschland hat Maximilian Steinbeis ein sehr komplexes Thema aufgegriffen. Ihm geht es darum, Argumente im politischen Diskurs grafisch nachzubilden, im Web navigierbar und damit erfahrbar zu machen. Das ist vom Ansatz her eine gute Idee, die aktuelle Trends der dynamischen Informationsvisualisierung aufgreift. Der Politikatlas versucht dies als unabhängiges Angebot im Web, unterstützt von namhaften Stiftungen und der Online-Presse. Das war bislang eher die Aufgabe der Landeszentralen oder der Bundeszentrale für Politische Bildung, die – ebenso wie die politischen Stiftungen und andere Interessenverbände – umfangreiche, anschauliche und zum Teil auch didaktisch aufbereitete Materialien ins Web gestellt haben. Aber so schön animiert wie der Politikatlas zum Schulsystem hat man das noch selten gesehen.

Politikatlas Schulreform

Aber wird nun diese Animation der Komplexität der Auseinandersetzung um Schulformen und Schulreformen in Deutschland gerecht? Es fehlt zum Beispiel die vierte Säule des dreigliedrigen Schulsystems – das sind die Förderschulen, eine für Deutschland typische und vom Ausland oft angemahnte Entscheidung gegen ein integrative Beschulung. Es fehlen auch Aussagen darüber, warum es so schwer ist, von der frühen Selektion abzurücken – genauer gesagt: Was bewegt eine nicht unbedeutende Anzahl von Bürgern dazu, die hohe Selektivität des Gymnasiums zu verteidigen? Und ein Einwurf aus bildungswissenschaftlicher Sicht: Hier gibt es die Meinung, dass die äußere Schulform wenig über Schulqualität aussagt; Schulreform also in der einzelnen Schule beginnt und dort wirksam ist.
Im Studiengang Master Wirtschaftspädagogik der WHL Wissenschaftliche Hochschule Lahr sind diese Fragen natürlich ein Thema – ganz an Anfang zur Einführung, aber dann auch immer wieder. Die Mehrgliedrigkeit des Schulwesens hat viel mit der Unterscheidung in berufliche Ausbildung und akademische Bildungsgänge zu tun. Und die animierte Infografik zu den Schulformen in Deutschland ist ein gutes Anschauungsobjekt für die didaktisch anschauliche Aufbereitung komplexer Zusammenhänge (mit den genannten Einschränkungen).

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