Greenwashing in der deutschen Automobilindustrie

Die Bedeutung der unternehmerischen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ist in den letzten Jahren mit dem Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR) stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sonja Weihmayer hat bei AKAD das BWL Fernstudium absolviert. absolviert und sich in ihrer Abschlussarbeit mit einem Teilaspekt der CSR beschäftigt: den Greenwashing-Vorwürfen in der deutschen Automobilindustrie und deren Auswirkungen auf die Unternehmen.

Automobilbranche sieht sich besonderen Herausforderungen gegenüber
Beim Thema CSR sieht sich die Automobilbranche besonderen ökologischen Herausforderungen gegenüber: Nicht nur, dass es politische Zielvorgaben gibt, die eine schrittweise CO2-Reduktion für die kommenden Jahre fixiert, auch ein verändertes Konsumenten- und Mobilitätsverhalten zwingt deutsche Autobauer, sich um nachhaltige Fahrzeuge und Antriebstechnologien zu bemühen. Da aber auch weiterhin Aspekte wie Dynamik, Geschwindigkeit und Komfort eine wichtige Rolle auf Konsumentenseite spielen, können bei der Bewältigung dieser unterschiedlichen Ansprüche oftmals „grüne“ Fehler unterlaufen. „Das ist auch nachvollziehbar – und die Entwicklungen wären sicher erklärbar. Wenn ein Unternehmen jedoch sein gesamtes Portfolio mit einem grünen Mäntelchen versieht, kommt es zum Greenwashing-Vorwurf“, weiß Studienautorin Sonja Weihmayer. Wird die grün gewaschene Kommunikation nämlich bekannt, rücken die Automobilkonzerne in den Fokus von Umweltschützern und Öffentlichkeit.

In der Kritik: die Online-Initiative www.unsere-autos.de
Weihmayer zeigt in ihrer Arbeit verschiedene Greenwashing-Vorwürfe der letzten Jahre auf: Der Verband der Automobilindustrie in Deutschland (VDA) zum Beispiel startete gemeinsam mit den großen deutschen Automobilherstellern die Online-Initiative www.unsere-autos.de. Über die Homepage sollen deutsche Verbraucher über den Technologievorsprung in Sachen Umwelt- und Klimaschutz seitens der Autobauer informiert werden. Detailliert gibt der Verband Auskunft über Entwicklungen im Bereich der Fahrzeugsicherheit, -effizienz und -komfort. Auch Ökobilanzen, Strategien und Verantwortungserklärungen werden präsentiert. Wegen der Art und Weise der Präsentation stieß die Plattform jedoch schnell auf Kritik

Typischer Greenwashing-Vorwurf: Mit Öko-Jargon wird der Verbraucher irre geführt
Sonja Weihmayer zitiert in ihrer Studie hierzu Holger Böthling (2010), damals Redakteur für Bündnis 90/Die Grünen: „Die Initiative verschiedener Hersteller unter dem Dach des VDA möchte zeigen, dass deutsche Autobauer ‚Effizienzweltmeister‘ und strenge gesetzliche Grenzwerte für CO2-Emissionen deshalb unnötig sind. Die nackten Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache: Beim CO2-Ausstoß lagen Neuwagen aus Deutschland 2008 in der EU abgeschlagen auf Platz 20, unter 14 Autoherstellern kam BMW auf Platz 9, Volkswagen auf 12 und Daimler auf den letzten Platz.“ Auch werfen Journalisten und Besucher des Online-Magazins Utopia der Initiative vor, mit Öko-Jargon den Verbraucher bewusst irre zu führen.

Unternehmen riskieren Vertrauensverluste
Nach der Untersuchung weiterer Umwelt-Aktionen deutscher Automobilhersteller kommt Sonja Weihmayer zu dem Schluss: „Im Allgemeinen wird den deutschen Automobilherstellern vorgeworfen, eine nicht ernsthafte und transparente Nachhaltigkeitskommunikation zu betreiben.“ Was sich wiederum negativ auf das gesamte Geschäft auswirken kann. Weihmayer: „Wenn der Anspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Thema Corporate Social Responsibility zu stark auseinanderklafft, riskieren Unternehmen Vertrauensverluste in der Öffentlichkeit. Das wiederum kann sich zum Beispiel negativ auf die Beurteilungsverfahren von Ratingagenturen auswirken. Außerdem laufen Unternehmen Gefahr, den Anforderungen und Wünschen der Stakeholder nicht gerecht zu werden.“

Handlungsempfehlung: aus Prinzip grün sein und nicht auf gut Glück
Sonja Weihmayer hat daher in ihrer Abschlussarbeit einige generelle Handlungsempfehlungen zusammen getragen wie: „Wenn man sich dafür entscheidet, sollte man grün aus Prinzip und nicht auf gut Glück sein. Sprich: Wenn ein Unternehmen bislang keine ökologisch wertvollen Produkte und Aktivitäten vorweisen kann, aber mit Nachhaltigkeit punkten möchte, müssen entsprechende Innovationen her, die von A bis Z auf Umweltschutz und Ökologie ausgerichtet sind“. Speziell für die Automobilbranche empfiehlt sie „Aussagen überprüfbar zu gestalten! Man könnte zum Beispiel Daten und Fakten zur Energieeffizienz der Fahrzeuge veröffentlichen und nachvollziehbar und allgemeinverständlich aufbereiten – auf vage Aussagen wie ‚umweltfreundlich’ und ‚klimaschonend’ sollte man besser verzichten“.

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