Spannendes Forum im November: "Der unberechenbare Faktor Mensch"

Einladung zum AKAD Forum Am Samstag, 17. November 2012, findet ab 12:30 Uhr an der WHL Wissenschaftlichen Hochschule Lahr das AKAD Forum „Forschung trifft Praxis“ 2012 statt. Unter dem Titel „Der unberechenbare Faktor Mensch“ wird Prof. Dr. Michael Schreckenberg das Wissenschaftsforum mit dem Vortrag „Das Phänomen Panik – Die Dynamik von Menschenmassen“ eröffnen. Im weiteren Verlauf des AKAD Forums finden zahlreiche Workshops und Seminare zum Thema statt. Das komplette Programm können Sie unter www.akad.de/forum einsehen. Wer teilnehmen möchte, muss sich jedoch beeilen: die Anmeldefrist endet kommendes Wochenende.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen den Key-Note-Speaker Professor Schreckenberg gerne näher vorstellen – in einem kurzen Interview mit dem Redaktionsteam des AKAD-Hochschulmagazins erklärt er, was ein Physiker mit Menschenmassen zu schaffen hat.

Herr Schreckenberg, Physik und Menschenmassen – schlagen Sie für uns bitte kurz die Brücke zwischen diesen beiden Themengebieten.

In der Physik beschäftigt man sich seit Längerem mit der Dynamik granularer Materie, also etwa der Dynamik von Sandkörnern oder Kieselsteinen. Dabei wird zum Beispiel untersucht, wie sich die vielen Einzelteile in bestimmten Situationen zueinander verhalten. Es ist naheliegend, die Konzepte, die dort entwickelt wurden, auch auf die Dynamik von Menschenmassen zu übertragen.

Seit wann forschen Sie am „unberechenbaren Faktor Mensch“?
Man kam nach dem Untergang der Ostseefähre Estonia 1994 auf uns zu: Damals wollte die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) Regelungen finden, wie man die Sicherheit der Seefahrt verbessern und in zukünftigen Katastrophenfällen besser reagieren kann. Mittels Simulationen haben wir dann auch das Verhalten der betroffenen Menschen in verschiedenen Notsituationen analysiert.

Welche Forschungsergebnisse sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Besonders interessant ist für mich nach wie vor, dass es die häufig zitierte „Panik“ eigentlich gar nicht gibt. Den Begriff haben die Medien produziert – sei es bei einem Schiffsunglück oder zum Beispiel auch im Zuge der Loveparade in Duisburg. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt nämlich, dass die Menschen sehr besonnen sind – auch in Stresssituationen. In Duisburg hat man sich zum Beispiel gegenseitig geholfen. Dass es zu den Todesfällen kam, lag vielmehr an einem einfachen physikalischen Gesetz, das nicht infolge von Panik, sondern von Gedränge wirkt: Wenn hinten gedrückt wird, haben die vorne irgendwann keine Chance mehr, vor allem, wenn sich der Weg verengt oder eine Absperrung kommt.

Wem sind Ihre Forschungsergebnisse von Nutzen?
Im Grunde für jeden, der sich mit Notfallmanagement auseinandersetzen muss – sei es bei Massenveranstaltungen, auf Schiffen oder in großen Gebäuden. Status quo ist, dass der
Umgang mit Menschenmassen in seiner Komplexität an vielen Stellen noch nicht angekommen ist. Nehmen wir allein die Kommunikation: Die häufig verwendete Aufforderung „Bitte bewahren Sie Ruhe!“ ist im Fall eines Unglücks genauso hilfreich wie jemand, der in weinerlicher Stimme über Lautsprecher sein Beileid mitteilt.

Worauf dürfen sich die Teilnehmer des AKAD Forums bei Ihrem Beitrag besonders freuen?
Die Teilnehmer dürfen sich auf ein Thema freuen, das gleichzeitig ernst und unterhaltsam ist. Ich werde auf die neuesten theoretischen Erkenntnisse eingehen, Kommunikationskonzepte erläutern und natürlich viele Beispiele aus der Praxis anführen, wie man reagieren kann, wenn die Krise da ist.

Und wie kann man reagieren, wenn die Krise da ist?
Man muss immer einen Plan B haben.

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