Eine neue Zukunft im Blick

Deutsch lernen, den Berufsalltag kennenlernen: Nahrain Albazi hat die vergangenen Jahre intensiv genutzt. Jetzt geht die gebürtige Irakerin, die ihr Heimatland 2016 verlassen musste, den nächsten großen Schritt: Sie hat ein Masterstudium an der AKAD begonnen – als eine der Gewinnerinnen des AKAD-Flüchtlingsstipendiums, das 2016 ausgeschrieben war.

Es hat mein Leben positiv verändert.” Zugegeben, diese Aussage hört man von vielen AKAD-Studierenden. Schließlich entscheiden sie sich bewusst für ein in der Regel berufsbegleitendes Lernen und profitieren davon in mehrfacher Hinsicht. Dieser Satz aus dem Mund von Nahrain Albazi erhält aber noch einmal ganz besonderes Gewicht. Denn dass sie seit kurzem auch an der AKAD University studiert, ist angesichts ihrer bisherigen Lebensgeschichte alles andere als selbstverständlich.

Rückblick. April 2016. Nahrain Albazi ist im siebten Monat schwanger und hat ihr Heimatland verlassen. Über die Türkei kam sie nach Deutschland – Eltern und Familie blieben im Irak. Dennoch, so erzählte sie damals, habe sie sich zur Flucht entschlossen. Für ihr ungeborenes Baby. Ihre Fluchtgeschichte, die schließlich in Stuttgart endete, begann bereits lange vor 2016. “Ich habe drei Kriege in meinem Heimatland erlebt”, erzählt sie. 2007 schon musste sie ihre Heimatstadt Bagdad Richtung Erbil verlassen, wurde zum Flüchtling im eigenen Land. Dann irgendwann war es auch dort nicht mehr sicher. Inzwischen ist ihre Tochter zweieinhalb Jahre alt. Und beide sind angekommen: “Deutschland ist die Heimat meiner Tochter, und ich würde sie auch als meine Heimat betrachten. Hier kann ich für die Zukunft planen, hier fühle ich mich sicher.”

Das Ziel: langfristige Integration

Nahrain Albazi ist eine derjenigen, die vor einiger Zeit ein AKAD-Flüchtlingsstipendium gewonnen haben. Dieses Stipendium soll die langfristige Integration in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Dazu hatte die AKAD University 2016 zunächst drei Stipendien ausgeschrieben. In Kooperation mit dem Sozial-Startup Kiron kamen dann noch drei dazu. Die Stipendiaten sind von allen Studien- und Prüfungsgebühren befreit. Die Bedingung damals: Bis Oktober 2018 hatten die sechs Gewinner Zeit, ihre Zeugnisse anerkennen zu lassen und vor allem die sprachlichen Hürden zu überwinden, dass sie die die staatlichen Zulassungsvoraussetzungen zu ihrem Studiengang erfüllen.

Das ist Nahrain Albazi gelungen. Im September 2018 startete sie mit den Vorkursen in Englisch und Mathematik. Zum Jahresende begann sie mit dem Master in Wirtschaftsingenieurwesen. Eigentlich, so erzählt sie, wollte sie einen MBA belegen, Entrepreneurship und Innovation sollte es werden. “Das fand ich einfach sehr interessant. Aber auch dank der guten Gespräche mit der AKAD-Studienberatung habe ich mich schließlich für den Master in Wirtschaftsingenieurwesen entschieden. Damit kann ich noch besser die Themen Technik und Business verbinden und an meine bisherigen Kenntnisse anzuknüpfen.” Denn dieser Studiengang ergänzt ihre bisherige Qualifikation hervorragend. Die 34-Jährige hatte im Irak einen Bachelor of Science in Electrical & Electronic Engineering abgeschlossen und war zuletzt als Business Consultant bei Toyota tätig – mit Führungsverantwortung für eine Abteilung von 15 Personen.

Vom Business Consultant zur Bürokraft

Um zu wissen, “wie es hier so läuft”, hat sie vor dem Beginn ihres Fernstudiums Erfahrung im deutschen Berufsalltag gesammelt und als Bürokraft gearbeitet. Derzeit ist sie – vorerst – Vollzeit-Studentin. Und Mutter eines Kleinkinds. Das stellt ihre Lernorganisation natürlich vor Herausforderungen. “Ich stehe um fünf Uhr morgens auf und lerne bis halb acht”, schildert sie. “Das ist die Zeit, in der ich mich am besten konzentrieren kann.” Dann bringt sie ihre Tochter in die Kita und lernt weiter bis 12 Uhr. “Abends lerne ich aber oft auch noch ein paar Stunden.” In der Lernmethodik ist sie durchaus flexibel – da wird auch schon mal ein Podcast oder ein Hörbuch auf dem Weg in den Kindergarten gehört. “Ich will arbeiten, mich um mein Kind kümmern und gleichzeitig lernen. Das digitale AKAD-Fernstudium ist dafür perfekt”, zeigt sie sich sichtlich erfreut.

Auch ihre Deutschkenntnisse hat sie sich lange Zeit im Selbststudium erarbeitet. Denn die klassischen Sprachkurse konnte sie wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten für ihre Tochter zunächst nicht besuchen. “Bis zum Niveau B1 habe ich komplett zu Hause gelernt. B2 habe ich dann als Intensivkurs absolviert, weil ich natürlich auch sprechen und hören wollte, und dann habe ich mich noch in einem Vier-Wochen-Kurs für die C1-Prüfung vorbereitet”, erzählt Nahrain Albazi. Diese war Voraussetzung für die Immatrikulation. “Nach der Prüfung habe ich nicht aufgehört, sondern Bücher gleichzeitig auf Deutsch und auf Englisch gelesen, um beide Sprachen zu trainieren.”

Allein lernen? Gerne!

Das aktuelle Fernstudium ist noch aus einem weiteren Grund perfekt für die junge Frau: “Ich hatte bereits an der Präsenzuni gemerkt, dass ich mich auch gerne alleine mit dem Lernstoff auseinandersetze. In den Präsenzveranstaltungen war mir manchmal langweilig. Ich mag es einfach, wenn ich allein lernen kann. Und darüber hinaus habe ich ja dennoch die Möglichkeit, jederzeit mit Professoren in Kontakt zu treten, um Fragen zu stellen.”

Studieren ist wie eine neue Hoffnung. Ich stehe morgens auf und weiß, dass etwas Gutes auf mich wartet.

Nahrain Albazi

Und nach dem Master-Abschluss? Da will sie wieder als Business Consultant arbeiten. “Diese Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft mag ich einfach sehr”, bekräftigt sie. Und sie wirkt dabei, wie im gesamten Gespräch, nicht nur sehr klar und zielstrebig, sondern auch sehr glücklich. Ist sie das? “Studieren ist wie eine neue Hoffnung”, bestätigt sie dann auch diesen den Eindruck. “Ich stehe morgens auf und weiß, dass etwas Gutes auf mich wartet.”

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