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#Gedankenspiele@AKAD |Nr. 3|

In dieser Reihe lädt Sie heute Herr Prof. Dr. Markus Grottke zum Gedankenspiel ein:

Was ist (k)ein Aprilscherz?

Einerseits | Andererseits

Liebe Gedankenspieler und Gedankenspielerinnen, sicherlich haben Sie sich in Ihrem Leben schon auch mehr als einmal in einer Situation befunden, in der Sie dachten, dass das jetzt wirklich nicht wahr sein kann. Das kann verschiedene Gründe gehabt haben. Vielleicht haben Sie plötzlich Erfolge gefeiert, welche Sie letztlich überhaupt nicht erwartet hatten. Vielleicht haben Sie Niederlagen erlitten und sind in einer Weise nach Ihrer Auffassung vollkommen zu Unrecht angegangen worden, die von Ihnen überhaupt nicht erwartet wurde. Vielleicht sind Sie gerade sogar um Ihren Ruf, Ihren Status, ja vielleicht sogar Ihre Existenz gebracht worden, durch fremde Entscheidungen, auf die Sie keinerlei Einfluss hatten.

Rache. So spielt das Leben. Einerseits. So befragt uns das Leben und so sind wir rational (!) zu antworten aufgefordert. Andererseits.

Digital Komplex

Die Digitalisierung befördert solche Erlebnisse aus vielen Gründen. Drei besonders bedeutsame und wesentliche Gründe sind Vernetzung, Kommunikation über Medien und die Interaktion mit Algorithmik.

Vernetzung

Vernetzung bedeutet, dass das alte “Stille-Post-Spiel” eine ganz andere Dynamik erhält, sowohl, was Verfälschungen und Gerüchte, als auch, was die (unerwarteten) Richtungen der Kommunikation von uns und über uns betrifft.  

Kommunikation

Kommunikation über Medien bedeutet, dass aufgrund der nicht vorhersehbaren Aufnahme von gesandten Botschaften durch intendierte und nicht intendierte Empfänger auch besonders viele unerwartete Seiteneffekte damit angerichtet werden können. Hinzu kommen dann noch Falschspieler der (Des-)Information, welche eine zusätzliche Komplexität erzeugen.

Interaktion

Hinsichtlich der Interaktion mit Algorithmik sei Ihnen empfohlen, sich einmal mit einem Bekannten oder Freund zu treffen, welcher maximal konträre Meinungen zu den Ihren aufweist und dann an seinem Computer Informationen zu Politik, Gesellschaft und Weltbildern in einer der großen Suchmaschinen zu recherchieren. Sie werden feststellen, dass die Suchmaschine Ihnen eine Welt darbietet, in der Sie eher nicht leben möchten. Zu Recht? Und wenn Sie also (zum Glück!) solche Freunde haben, wie einigen Sie sich mit diesen über Sachfragen? Und wie vorhersehbar sind die Einigungen, welche dann im Detail resultieren?

Antworten finden

Was bedeutet das alles – wie befragt uns das Leben an dieser Stelle?
Zwei Fragen drängen sich auf:

  1. Warum ist das passiert? Was weiß ich überhaupt darüber?
  2. Wie bin ich aufgerufen aus dieser nunmehr resultierenden Situation eine Perspektive abzuleiten?

Auf die erste Frage

Warum ist das passiert? Was weiß ich überhaupt darüber?

Schon eine mögliche Antwort auf die erste Frage zu finden, stellt sich rational schwierig dar. Wenn so viele Menschen mit ihren durchaus kreativen Aktionen vernetzt agieren, ergeben sich ganz unvorhersehbare Wirkungen, die sich für jeden einzelnen in der Ursache seines individuellen Handelns als rational darstellen, dann aber in der Gesamtwirkung eben doch ganz anders wirken können, eher irrational.

Nimmt man zusätzlich jeden Menschen mit all seinen Erfahrungen und Prägungen, allen Freuden aber auch Verletzungen und vor allem aber seinem unvollständigen Kontext und Wissen als einen Gewordenen, so drängt sich vor allem Vorsicht auf.

Die „göttlichen Masterminds“

Rache oder Neid ist keine gute Idee, denn diese wurzelt immer im vorherigen Urteil einer bestimmten Schuldzuweisung oder Erfolgszurechnung, aber gerade diese berechtigt vorzunehmen, wiewohl immer Versuchung, ist Menschen nicht möglich.
Schon Hayek erinnert in seinem Verweis auf die Notwendigkeit anderen Menschen Freiheit zu eigenen Entscheidungen einzuräumen, daran, dass wir eben nicht (und in einer Zeit der Digitalisierung noch viel weniger!) die göttlichen Masterminds sind, die sich hier ein Urteil, eine Verurteilung erlauben dürften über das, was sich als Resultat der Interaktion vieler Menschen ergibt oder ergeben hat.

Auf die zweite Frage

Wie bin ich aufgerufen aus dieser nunmehr resultierenden Situation eine Perspektive abzuleiten?

Eine mögliche Antwort auf die zweite Frage ist noch einmal anspruchsvoller. Die zentrale Frage, welche sich stellt, ist diejenige nach dem Blickwinkel der Perspektive, d.h. wessen Perspektive soll hier eingenommen werden und ebenso bedeutsam, wer entscheidet darüber, welche Perspektive eingenommen wird?

Wir werden uns immer wieder begegnen

Meines Erachtens braucht es eine Perspektive, die der Vernetzung Rechnung trägt, eine Perspektive, die lautet: Wir werden uns in einer vernetzten Welt immer wieder begegnen: Können wir das auch, d.h. haben wir dafür mit unserem Handeln wirklich die Grundlagen geschaffen? Aus einem solchen Blickwinkel ergeben sich Antworten, die versuchen allen Seiten so gerecht zu werden, dass alle(!) von der eigenen Entscheidung betroffenen positiv und wenn möglich reflektierter, durchdachter und nachhaltiger fortfahren können.
So etwas leistet nur eine holistische Perspektive. Eine solche angesichts bisweilen schreiender Widersprüche, Meinungsverschiedenheiten und Verfeindungen zu finden, kann wiederum einiges an Kreativität erfordern.

Die eigene Handlung und Haltung macht den Unterschied

Andererseits gilt: Sollte nicht (und kann nicht auch nur) jeder einzelne hier selbst für sich entscheiden? Das bedeutet, ich kann nur eine Antwort, eine Haltung zu den Geschehnissen für mich finden, es ist nicht (!) meine Aufgabe, diese Antwort für andere zu finden, selbst wenn ich diese in meiner Entscheidung beachte.

Andere kann ich beraten, ich kann diesen mein Wissen und meine Erkenntnisse zur Verfügung stellen, aber die Entscheidung erfolgt dann jeweils doch allein und wir haben in der Regel allein dafür gerade zu stehen: In der Regel lässt sich nicht auf Freundschaften, Vertrauen oder eine Rationalität von der Qualität der schiller’schen Bürgschaft zählen. Freiheit wird hier als Verantwortung spürbar. Es sind Situationen, an denen man wachsen kann, weil sie es sind, in denen sich entscheidet, ob die eigenen Handlungen wirklich einen sichtbaren Unterschied machen.

Ihre Antworten?

Welche Antworten haben Sie auf diese Fragen? Vielleicht lohnt es sich darüber einmal mit guten wirklich vertrauten Freunden zu diskutieren!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nachdenkliche, diskursive aber auch ruhige Ostertage – achten Sie auf sich und bleiben Sie gesund!

Prof. Dr. Markus Grottke

Prof. Dr. Markus Grottke ist Jahrgang 1978. 2000–2005 Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Abschluss als Diplom-Kaufmann und 2002–2007 Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft mit Abschluss als Magister, beides an der Universität Passau mit jeweils Bestnote. 2012 interdisziplinäre Promotion zum Dr. rer. pol. Zum Thema der Lageberichtsanalyse an der Schnittstelle zwischen Rechnungswesen, Strukturalismus und Kriminalistik. 2011 bis 2013 Start-up vI verbal Intelligence Gmbh zur Umsetzung der in der Dissertation entwickelten Analysemethodik in Software. Habilitation an der Universität Passau von 2012 bis 2018 an den Lehrstühlen für Taxation und Controlling mit Schwerpunkten in Komplexität und Digitalisierung (Abschluss Dezember 2020). Von 2016 bis August 2018 tätig an der SRH Hochschule Heidelberg (Campus Calw) als Professor für ABWL mit Schwerpunkt Controlling & Digitalisierung. Seit September 2018 Prorektor zunächst für „Forschung und Innovation“ und seit März 2020 „Innovation und Duales Studium“ und Professor für ABWL mit dem Schwerpunkt Digital Business an der AKAD University.

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