Stipendiaten: Diese Flüchtlinge wollen das AKAD-Fernstudium zur Integration nutzen

Da sie beide in der Nähe von Stuttgart wohnen, konnten Nahrain Albazi und Muhammad Memon (2.v.l.) ihre Stipendienurkunden in der Hochschule persönlich in Empfang nehmen.

Beide wohnen in der Nähe von Stuttgart. So konnten Nahrain Albazi und Muhammad Memon (2.v.l.) ihre Stipendienurkunden in der Hochschule persönlich in Empfang nehmen.

Es sind keine gewöhnlichen Lebensläufe, die die sechs angehenden Studenten der AKAD University mitbringen. Ihre Motivation für das Fernstudium sind nicht der nächste Karriereschritt und ein besseres Gehalt. Es geht um ihre Zukunft in Deutschland. Unsere neuen Stipendiaten sind aus ihrer Heimat geflüchtet, um Krieg oder persönlicher Bedrohung zu entgehen. Ein deutscher Studienabschluss soll ihre Chancen auf dem nationalen Arbeitsmarkt verbessern. Für den AKAD Blog haben wir zwei von ihnen zum Interview getroffen – und einmal mehr gesehen, dass sich hinter jeder Flucht ein tragisches Einzelschicksal verbirgt.

Als Nahrain Albazi im April 2016 nach Deutschland kommt, ist die junge Frau im siebten Monat schwanger. Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Fluchtgeschichte schon einige Kapitel lang: Geboren wurde die 31-Jährige im irakisch-iranischen Krieg. Im Laufe ihres Lebens erlebte sie mehrere weitere Kriege mit. Im Jahr 2007 flüchtete sie aus ihrer Heimat Baghdad in das fast 400 Kilometer entfernte Erbil. Schon damals fühlte sie sich „wie ein Flüchtling im eigenen Land“. Nachdem es Jahre später auch in Erbil für sie nicht mehr sicher war, floh sie erneut – zuerst in die Türkei, dann nach Deutschland. „Meine Eltern und Familie sind immer noch im Irak, das ist für mich eine sehr schwierige Situation“, erzählt Nahrain Albazi. Für ihr ungeborenes Baby habe sie sich dennoch zur Flucht entschlossen.

Alles auf Anfang: vom Business Consultant zum Minijobber

Mittlerweile ist ihre Tochter ein halbes Jahr alt, und die 31-Jährige macht sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft in Deutschland. In ihrer Heimat konnte sie trotz ihrer jungen Jahre schon auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken: Im Irak hatte sie einen Bachelor of Science in „Electrical & Electronic Engineering“ abgeschlossen. Nach verschiedenen Stationen als Ingenieurin schaffte sie es zuletzt auf die Position des Business Consultant bei Toyota und hatte Führungsverantwortung für eine Abteilung von 15 Personen.

Diese Qualifikationen will Nahrain Albazi auch in Deutschland nutzen und weiter ausbauen. Am liebsten möchte sie den MBA Entrepreneurship und Innovation an der AKAD University studieren. Zu erfahren, dass sie eines der Flüchtlingsstipendien der Fernhochschule gewonnen habe, sei für sie daher „einer der besten Momente meines Lebens gewesen. Das ist ein einmaliges Geschenk für mich“, beschreibt die junge Mutter in fließendem Englisch.

Mit dem Stipendium kann sie innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Studium an der AKAD University aufnehmen. Studien- oder Prüfungsgebühren muss sie nicht zahlen. Bis dahin will sie fleißig weiter an ihren Deutschkenntnissen arbeiten – und im Laufe des Jahres mit einem Minijob schon erste Berufserfahrung in Deutschland sammeln.

Von Pakistan nach Kirchheim

Auch Muhammad Memon verspricht sich viel von einem Masterstudium an der AKAD University. Sobald er alle Sprachnachweise für die Immatrikulation zusammen hat, möchte der Pakistaner den M.A. Global Management and Communication studieren. Denn Business Management, Kommunikation und Kultur seien genau seine Steckenpferde, erklärt der 27-Jährige im Interview. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass er schon einige Stationen im Ausland meistern und sich dabei jeweils in einer neuen Kultur zurechtfinden musste.

Die Stipendiaten erzählen CEO Prof. Fürst und Rektor Prof. Bügner von ihren Studienplänen.

Die Stipendiaten erzählen CEO Prof. Fürst und Rektor Prof. Bügner von ihren Studienplänen.

Er floh aus politischen Gründen nach Kirchheim unter Teck (nahe Stuttgart). Dort beantragte er deutsches Asyl, welches ihm mittlerweile auch gewährt wurde. Nach seiner Anerkennung als Flüchtling arbeitet er nun hart an seinen Sprachkenntnissen und startet in diesem Monat bereits in den Deutsch-Kurs auf B1-Niveau. Auch einen ersten Job konnte er ergattern und arbeitet als Regalauffüller bei der Drogeriekette dm. Aufgrund seiner hervorragenden Sprachkenntnisse in Urdu, Hindi, Englisch und der fortgeschrittenen Deutschkenntnisse unterstützt er Polizei und Arbeiterwohlfahrt sogar gelegentlich als Übersetzer.

Die beiden Stipendiaten sehen ihr Asyl in Deutschland als Chance und nehmen ihre Integration aktiv selbst in die Hand. Die Frage, ob sie in ihrer neuen Heimat auch mit Ablehnung oder Fremdenfeindlichkeit umgehen mussten, können beide verneinen. „Ich denke“, meint Muhammad Memon, „man ist immer sein eigener Botschafter.“ Wenn man den Menschen offen begegne und sie für sich einnehmen könne, dann würden sie die Freundlichkeit auch erwidern.

Hintergrund: Was sind die AKAD-Flüchtlingsstipendien?

Die AKAD University hatte bis September 2016 zunächst drei Stipendien für Flüchtlinge ausgeschrieben, die in den vergangenen eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen waren. Mit dem Studium an der deutschen Hochschule soll ihnen die langfristige Integration in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtert werden. In Kooperation mit dem Sozial-Startup Kiron wurden im Frühjahr noch drei weitere AKAD-Stipendien für Flüchtlinge ausgeschrieben, die bei Kiron sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses) absolvierten. Finanziert werden die insgesamt sechs Stipendien durch den AKAD-Gesellschafter Aurelius. Die Stipendiaten sind so von allen Studien- und Prüfungsgebühren befreit.

Die insgesamt sechs Gewinner der Flüchtlingsstipendien stammen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Irak. Sie haben nun noch bis Oktober 2018 Zeit, um ihre Zeugnisse anerkennen zu lassen und ihre Deutschkenntnisse soweit zu festigen, dass sie die staatlichen Zulassungsvoraussetzungen zu ihrem Wunschstudiengang erfüllen.  Alternativ stehen ihnen auch die Hochschulzertifikate und Weiterbildungsangebote der AKAD University offen.

Bisher bevorzugen sie noch ein Interview auf Englisch – aber beide haben schon die ersten Deutschkurse hinter sich und arbeiten an fließenden Sprachkenntnissen.

Bisher bevorzugen sie das Interview auf Englisch – aber beide haben schon erste Deutschkurse hinter sich und arbeiten an fließenden Sprachkenntnissen.

 

 

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